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Arno Steffen - Hop Hop

ARNO STEFFEN - HOP HOP

Die Natur macht bekanntlich keine Sprünge. Arno Steffen schon. Mit »Hop Hop«, seinem neuesten Werk seit ... ja, seit wann eigentlich? Das hängt ganz davon ab, wie weit man zurückgehen und ob man sich ohne Kompass in das weit verzweigte Arbeitslabyrinth des vielseitigen Künstlers vorwagen will. Zur Navigation und Wikipedia-mäßig kurz: Deutscher Musiker. Mann. 1953 geboren. Frühe Bands in den Siebzigern: Interstellar Overdrive, Jennifer und Suiciyde Ampheta. Spiritus Rector der Zeltinger Band (1979). Triumvirat ab 1980. Solo mit Conny Plank: »Schlager« (1983), »Supergut, ne« (dito) »Liebeslieder« (1984). Ab 1992 mehrere Alben mit L.S.E., zahlreiche Filmmusiken u.a. für »Tatort«, »Das Wunder von Lengende«, »Untergang der Pamir« und »Berlin 36.«. So, das Biografische hätten wir erledigt.

Nun zu »Hop Hop«, Meisterwerk eines Mannes, der beständig und viel arbeitet, aber nicht immer die Öffentlichkeit sucht. Bitte keine Tretmühle, keine Beliebigkeit, keine Zwänge. Ein musikalischer Schläfer, könnte man sagen. Seine Veröffentlichungen haben dann auch gerne die Wirkung von Anschlägen. Es tut einen Knall. Und plötzlich ist er wieder voll da. Nicht zu überhören, präsent. Er meldet sich, wenn er was zu sagen, oder besser in diesem Fall: zu singen hat. Dabei, wenig verwunderlich, ist Steffen kein einfacher Zeitgenosse, manche halten ihn sogar für schwierig. ›Nein‹ ist eine seiner Lieblingsvokabeln. Aber, Achtung, falsches Vorurteil: Der Mann ist nur sehr (selbst-)kritisch. Auf seinem Radar erscheinen Dinge, die unsereinem oft verborgen bleiben – wenn sich etwas falsch anfühlt, falsch tönt, falsch ist, eben nicht authentisch, literarisch vermummt oder musikalisch verschwurbelt. Wo andere in Begeisterung zerfließen, stoppt er die alles gleichmachende Konsenssucht mit einem knappen »Geht so!« Wenn er dann mal was rauslässt, hat das Ereignischarakter. Dann macht die Natur eben doch Sprünge, zumindest musikalische ...

Zur Sache: »Hop Hop« beginnt mit dem Titel gebenden Song und einem aufgeräumten Duane Eddy-Twang-Akkord. Zivilisationskritik an der hektischen Stress-Gesellschaft in Form einer beschwingten Rockabilly-Humoreske mit bassigem Hintergrund-Chor: »En dr Firma willsdet wesse / op dinge Burnout weed jedresse / bes hellwach wenn andere penne / häs de Spetz em Hamster Renne«. Hier stammt auch das Cover-Motiv her, der coole Hamster, der feist grinsend das Drehrad anhält. Das Motiv stammt aus der begabten Feder von Buchautor und Illustrator Niko Heidelbach. Was kölsche Texte betrifft, wurde Steffen von seinem Freund Robert Pütz wach geküsst, einem Mann aus der alten Werber-Garde, dem man solche Traumzeilen wie »Bonduelle, das famose Zartgemüse aus der Dose« verdankt und der auch für andere kölsche Künstler zur Feder greift.

Es folgt auf Position zwei »D’r Weet«, eine überdreht-zuckende, von flugs geklöppeltem Hackbrett und Bouzouki durchwehte Mazurka, die an beste L.S.E.-Zeiten erinnert. Jeder Kölner – egal, ob geborener oder gelernter – kennt diesen Typ Wirt. Maulig, mit napoleonischem Ego, die speckige Geldbörse wie eine Knarre hinten im Gürtel, von bedrohlicher Sympathie und immer ›am kühmen‹. Titel drei, »Meditiere«, changiert gekonnt zwischen singendem Sitar-Intro à la George Harrison und Akkordeon durchpflügter Krätzjen-Schnurrigkeit. Und wer bei diesem brüllkomischen Text nicht ins Schmunzeln kommt, der geht zum Lachen sicher in den Keller: »Do muss mer nit noh Tibet fahre / däm Juru nit dä Büggel drare / nohm etzte Selbsterfahrungsjohr / weet et Dir dann klor / mer liert doh Yoga un Shiatsu, Qui Gong un och Tai Chi / versöck dobei ze meditiere / un dat alles deiht nit wieh«. »Immistadt«, eine von zwei äußerst gelungenen Steve Earle-Adaptionen auf »Hop Hop«, behandelt das Thema Integration und gipfelt in der schelmischen Androhung: »Su weeste he en däm Jemölsch – zwangsweise Kölsch ...«. Als »(Arsch huh) Immistadt« kommt dieser Song, mit Gerd Köster, Shary Reeves und Flo und Basti von Kasalla am Mikrofon, pünktlich zum 20-jährigen »Arsch huh, Zäng ussenander«-Jubiläum am 9.11.2012 als Single heraus. »Jute Jung«, ein Liebeslied an den eigenen Hund mit überraschendem Ende, fährt einem dank seiner zuckeligen Cajun-Fröhlichkeit direkt ins mitwippende Gebein. Was Multiinstrumentalist Matthias Keul an der Lapsteel-Gitarre kann, hört man hier und noch deutlicher im nächsten Song, dem tiefenentspannten »Verbrummele«, einer Liebesgeschichte, wie sie so schön verquer nur unser Arno schreiben kann. Keul sorgt mit der wimmernden Lapsteel-Grundierung für typische C&W-Seligkeit. Man schmeckt die staubige Hitze des von der Sonne aufgeheizten Tages, die erotisch aufgeladene Sentimentalität des Verliebten. Irisches Flair mit folkiger Tin Whistle, gespielt von Backgroundsängerin Frauke Harder, verbreitet »Vringsstrooss Bletz« und erzählt die Geschichte einer Rosenmontagsbekanntschaft zwischen Zugereistem und einer kölschen Schönheit, »de Hörcher schwatz und de Aure jrön« und – klar – eine besonders inbrünstige Bötzerin. »Ming Stadt« entwickelt, von Krummingas und Wienstroers Gitarren angetrieben, eine lang schwelende Glut. Ein Hit? Ja, ein Hit! Eine schönere – domfreie – Liebeserklärung an »die ahle Stadt«, wo der kleine Jung »die Kesselflecker unge am Rhing« und abends das blonde Mädchen aus dem »Zijarre Lädche« beobachtet, hat man seit Ostermann nicht mehr gehört.

Nach zwölf Songs und unzähligen Gala-Momenten dies als Fazit: »Hop Hop« profitiert in jeder Sekunde von der Stilsicherheit seines Urhebers, seinen Erfahrungen, Erlebnissen und Erkundungen in der Welt von Rock bis Avantgarde, von Steve Marriott bis Velvet Underground, von Tabubruch bis Brauchtumspflege. Dass die versammelte Mannschaft erstklassig ist, versteht sich bei einem musikalischen Volblut wie Steffen von selbst. Helmut Krumminga, Markus Wienstroer, Wolf Simon, Hans Maahn und der Rest der coolen Gang sorgen für astreinen Musikspaß; René Tinner und Dieter Krauthausen hinterm Pult für den guten Ton; Tommy Engel, Gerd Köster, Pit Hupperten, Tony Clark, Mario Argandona, Jura Wajda … für Gastauftritte

Noch einmal: Arno Steffen kennt seine Koordinaten ganz genau und macht eben deshalb aus eigentlich gewagten stilistischen Grenzgängen musikalische Events der Extraklasse. Sei es eine Reminiszenz an die frühen Stones (»Fründe«), die mit einer lässigen Chic-»Discogitarre« aufgepeppte Scooter-Persiflage »Weiter Weiter!« oder die von Gerd Köster schnodderig dargebotene Ballade »Et Es Karneval In Köln« – man sollte immer auf Überraschungen gefasst sein. Dass Steffen Kunst kann, wusste man schon länger. Wenn er diese dann zurückbindet an sein kölsches Wurzelwerk, mit dem er offensichtlich – selbst was den Karneval angeht – seinen Frieden gemacht hat, dann wird’s Kunst mit Humor. Selten genug und immer sehr gern genommen! Post-Black Fööss, Post-Höhner, Post-L.S.E., Post-wasauchimmer – »Hop Hop« von Arno Steffen ist gesetzt als »Platte des Jahres 2012«.

Das Album "Hop Hop" ist in unserem Shop, bei Amazon und iTunes erhältlich.

Die Homepage von Arno Steffen

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In 1990, Steffen formed a new group called L.S.E. together with pianist Rolf Lammers and de Bläck Fööss vocalist Tommy Engel (the titular initials stand for the three bandmembers' last names). With several guest musicians, the group created an absurd musical tapestry that included humorous Koelsch stories, Zappa-esque jazz, and boogie-woogie. L.S.E. released three albums during the '90s: "Für et Hätz und jäjen d'r Kopp" (1992) (the title is Koelsch for "For the Heart and Against the Head"), Ruhm kennt keine Gnade (1994) ("Fame Knows No Mercy"), and Aua (1996) ("Ouch"). In 1996, the band went on hiatus without actually disbanding. 2004 then saw the release of a best-of compilation, Das Beste von L.S.E..

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  • Köster & Hocker - "A's kla?" - das neue Album erscheint am 28.4.2017

    „A's kla?“ heißt das neue Album des kölschen Singer-Songwriter-Duos Köster & Hocker, der heiß erwartete Nachfolger des allseits gelobten Erfolgsalbums „Kumm jangk“ (2014).

    Gerd Köster, ohne Zweifel einer der besten Songtexter Deutschlands, setzt unter dieser Fragestellung seine Suche nach den Antworten auf die großen Fragen in den genauen, herausragend formulierten Beobachtungen des Alltäglichen fort.

    Musikalisch wird das von seinem Partner Frank Hocker kongenial begleitet. Die musikalischen Einflüsse, zugleich Konstanten des künstlerischen Schaffens der beiden, umfassen Blues, Country, Folk, Rock und gerade auf diesem Album einen gehörigen Schuss Cajun-Klänge.

    Written on Monday, 24 April 2017 16:06 in News Read more...
  • Björn Heuser - Zick es Jlöck - das neue Album

    Björn Heuser ist einer der umtriebigsten Musiker und Künstler in Köln. Seine kölschen Mitsingkonzerte erfreuen sich großer Beliebtheit, genauso wie seine Projekte mit Kindern und Jugendlichen und seine Tätigkeiten als kölscher Liedermacher.

    Nachdem er in den zurück liegenden Jahren zahlreiche, erfolgreiche Lieder mit und für Kölner Bands, wie Brings, Bläck Fööss, Paveier, Klüngelköpp, Funky Marys, Zeltinger uva. geschrieben hat, veröffentlicht Björn Heuser mit „Zick es Jlöck“ nun ein eigenes kölsches Singer-Songwriter-Album, das ausschließlich aus Eigenkompositionen besteht. „Zick es Jlöck“ ist dabei ein textlich sehr persönliches und ehrliches, musikalisch vielschichtiges Album geworden.

    Written on Friday, 31 March 2017 11:48 in News Read more...
  • Jenny And The Mexicats - Rockabilly, Flamenco und Folk aus Mexiko – Album „Open Sea/Mar Abierto“ und erste Deutschland-Tour im Februar 2017.

    Die Geschichte der mexikanisch-britisch-spanischen Band Jenny And The Mexicats beginnt im heißen Sommer 2008 in der spanischen Hauptstadt Madrid. La Roja war auf dem besten Weg die Fußball-Europameisterschaft zu gewinnen.

    Hierhin hatte es Jenny verschlagen, die bereits einige Jahre als Sängerin und Trompeterin in ihrer Heimat unterwegs war, als sie sich entschloss einer Einladung des Bassisten der Band Icho zu folgen. Er hatte dort bereits seinen alten mexikanischen Kumpel Pantera angesprochen, einen außergewöhnlichen Flamenco-Rockabilly Gitarristen, mit dem er bereits in Mexiko City in einer Punkband gespielt hatte. Dieser wiederum holte mit David einen weiteren Bandkollegen dazu, der als Perkussionist am Cajón wahre Wunderdinge leistete. Man jammte und probte zusammen und sehr schnell war allen Beteiligten klar, dass man auch weiter zusammenspielen wollte.

    Written on Thursday, 02 February 2017 14:19 in News Read more...
  • Zöller & Konsorten - Deutschland Tour 2016 "Flucht nach Vorn" - Video zum Titelsong

    Zöller & Konsorten - "Flucht nach vorn" - Das offizielle Video zum Titelsong des im September 2016 erscheinenden Albums ist jetzt auf YouTube und Facebook zu sehen und zu hören. Große Deutschland-Tour ab September 2016: www.adticket.de/Zoller-Konsorten.html 

    Der langjährige BAP-Schlagzeuger Jürgen Zöller und seine hochkarätigen Konsorten bringen im September das Album „Flucht nach Vorn“ heraus und gehen damit auch auf ausgiebige Tour. Mit dabei sind Steffi Stephan (Udo Lindenberg), Christoph Stein-Schneider (Fury In The Slaughterhouse), Lyle Närvänen (ex Leningrad Cowboys) und als Very Special Guest Tony Carey!

    Die Termine:

    29.09.16 Münster, Jovel Club
    30.09.16 Oberhausen, Zentrum Altenberg
    02.10.16 Karlsruhe, Tollhaus
    06.10.16 Köln, Luxor
    07.10.16 Hannover, Pavillon
    08.10.16 Frankfurt/Main, Das Bett
    12.10.16 München, Backstage Werk
    13.10.16 Burglengenfeld, VAZ
    20.10.16 Rostock, Ursprung
    21.10.16 Berlin, Frannz Club
    22.10.16 Hamburg, Logo 

    Das Video: 

     

    Written on Monday, 07 March 2016 00:00 in News
  • Zöller & Konsorten - Album „Flucht nach vorn“ erscheint im September 2016

    Zöller & Konsorten - Album „Flucht nach vorn“ (VÖ: 16.09.2016 bei GMO - The Label im Vertrieb von Roughtrade und Zebralution)

    Vor ziemlich genau 50 Jahren fuhr Jürgen Zöller mit seiner ersten Band in einem klapprigen alten VW Käfer von Gig zu Gig. Das völlig überladene Fahrzeug vollgestopft mit Gitarrenverstärker, Bassanlage, Trommeln. Und Jürgen und seine Jungs waren auf einer Mission: Den Rock'n'Roll überall dorthin zu bringen, wo eine Steckdose war. Inzwischen hat Herr Zöller mit vielen Bands und Musikern gespielt und mit BAP jede Steckdose angezapft. Er hat der langjährigen Stammband adieu gesagt und ist bereit zu neuen Schandtaten ganz im Geist jener Anfänge vor 50 Jahren: Zöller & Konsorten heisst sein neues Projekt. „Das ist kein Projekt!“ sagt er freundlich aber bestimmt, „das ist auch nicht meine Solo-Show von mir. Das ist eine richtige Band!“ Das Debütalbum dieser jungen Band gestandener Männer heißt „Flucht nach vorn“ und verbindet die Aufbruchsstimmung von einst mit der Aufbruchsstiummung von heute.

    Written on Monday, 07 March 2016 00:00 in News Read more...